Nomen est omen – die Welt der Namen

Dass Namen etwas aussagen können, wussten schon die Erfinder des Sprichworts in der Überschrift. Gerade sehe ich mal wieder einen kleinen Artikel, der sich damit beschäftigt, dass Vornamen negativen Einfluss auf den Träger haben können. Das nehme ich zum Anlass, mal etwas über Namen zu schreiben.

Es gibt viele verschiedene Vornamen.

Stigmatisierung und Diskriminierung

Ein Michael bekommt in Deutschland eher eine Arbeitsstelle als ein Mohammed, jedenfalls bei Arbeitgebern, die weniger Rücksicht auf Gleichberechtigung nehmen. Eine Chantal und eine Jacqueline vermuten viele Menschen eher im Osten des Landes oder in schwierigen Familienverhältnissen. Kevin gilt eher als Versager, während Maximilian oder Sophie positiver wahrgenommen werden. So wird der Name zum Stigma und dient häufig zur Diskriminierung. All diese Zuschreibungen sind natürlich kompletter Unsinn, weil zwei Menschen nicht gleich sind, nur weil sie den gleichen Vornamen tragen.

Am Anfang nur ein Name

Doch wie sind Namen, genauer gesagt die Personennamen, überhaupt entstanden? Die Namenforschung (Onomastik) ist eines der interessantesten Themen der Sprachwissenschaft. Historisch waren die Vornamen zuerst da. Solang die Menschen in Familien oder anderen kleinen Gruppen lebten, reichte ein einzelner Name. Es gab eben im Umfeld nur eine Maria oder einen Johannes. Falls es doch mal zu einer Dopplung kam, konnte man den einen den Jüngeren (junior) und den anderen den Älteren (senior) nennen. Je älter ein Name ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er sich weit verbreitet. Dabei können Varianten in verschiedenen Sprachen entstehen. So gibt es beispielsweise neben Johannes auch John (englisch), Jean (französisch), Juan (spanisch) und Giovanni (italienisch).

Familiennamen zur Unterscheidung

Doch nicht nur die Anzahl der Menschen allgemein stieg mit der Zeit; auch die Gruppen, in denen sie lebten, wurden mit dem Entstehen von Dörfern und Städten größer. Nun trafen öfter zwei gleichnamige Personen aufeinander. Zur Unterscheidung gab es zunächst Beinamen, aus denen sich später die Familiennamen entwickelten. Da gab es eine Reihe von Möglichkeiten zur Namensfindung: die Körpergröße (Groß, Klein, Lang), die Haarfarbe (Schwarz, Braun, Rot), der Beruf (Müller, Meier, Schmidt, Schneider) und die Herkunft (Berger, Stein). Eine weitere Option sind die sogenannten Patronyme bzw. Matronyme, also Namen, die von Vorfahren abgeleitet sind. Wir kennen sie vor allem aus dem skandinavischen und slawischen Raum. Im Norden ist Pettersson Peters Sohn oder Efraimsdotter Efraims Tochter. Eine besondere Bedeutung haben Patronyme in einigen slawischen Namen, da sie dort nicht den Nachnamen bilden, sondern einen zusätzlichen Mittelnamen. Beispiele sind die Politiker Michail Sergejewitsch Gorbatschow und Julija Wolodymyriwna Tymoschenko. Auch die Namen in der spanischsprachigen Welt sind bekanntlich oft komplex.

Verteilung und Beliebtheit von Namen

Heutzutage wiederholen sich natürlich auch die Familiennamen. Jeder kennt einen Herrn oder eine Frau Müller / Meier / Schmidt (in diversen Schreibweisen). Die Namenforschung erstellt Karten, auf denen man die Verteilung von Familiennamen in Deutschland sehen kann. Dabei kommt es zu interessanten Erkenntnissen wie dem Meier-Loch. Jedes Jahr sorgen außerdem die Listen mit den beliebtesten Vornamen für Schlagzeilen in den Medien. Zuletzt lagen in der Rangliste, die die Gesellschaft für deutsche Sprache veröffentlicht, Marie und Paul vorne.

Namen bei Ehepaaren und Kindern

Das Namensrecht ist ein weiteres interessantes Thema. Das wird zum Beispiel aktuell, wenn zwei Menschen heiraten. Früher war es üblich, dass die Frau den Nachnamen des Mannes annahm und ihr bisheriger Nachname mit „geb.“ angehängt wurde. Heute gibt es diverse Möglichkeiten. Entweder wird der Nachname eines Ehepartners, egal ob Mann oder Frau, zum gemeinsamen Ehenamen oder es gibt einen Doppelnamen oder beide behalten ihren Nachnamen.

Wenn ein Kind geboren wird, braucht es nicht nur einen Vornamen (im Zweifel den der Mutter), sondern auch einen Vornamen. Vor allem prominente Eltern sind da oft sehr kreativ und übertreiben mit verrückten, einzigartigen Vornamen. Die Ranglisten der beliebtesten Vornamen und Gedanken zur möglichen Benachteiligung (siehe oben) beeinflussen oft die Auswahl des Vornamens für das Kind. Doch es gibt auch einige rechtliche Vorschriften, die der Kreativität Grenzen setzen.

Mensch hinter dem Namen

Unabhängig vom Namen eines Menschen sollten wir jedoch immer bedenken, dass ein Name nur ein Hilfsmittel zur Identifizierung ist, genau wie wir für das durchsichtige Glas im Zimmer das Wort „geb.“ oder für die deutsche Hauptstadt den Begriff „Berlin“ benutzen. Statt ein Omen zu erkennen, sollten wir uns den Menschen hinter dem Namen ansehen. Dieser Mensch ist auf jeden Fall einzigartig.