Geschichte der deutschen Sprache

Die deutsche Sprache entwickelte sich im fünften Jahrhundert aus den germanischen Sprachen, die wiederum aus der Ursprache Indogermanisch hervorgegangen waren. Die Bezeichnung deutsch zeigt dabei schon an, dass Deutsch im Gegensatz zum Lateinischen eine Volkssprache war; das Wort diutisc ist nämlich von diot (Volk) abgeleitet. Später spalten sich Englisch, Niederländisch und weitere germanische Sprachen ab und allmählich wurde aus dem Althochdeutschen über mehrere Zwischenschritte unser heutiges Deutsch.

Althochdeutsch

Merseburger Zaubersprüche

Die Geschichte unserer Sprache begann mitten in der turbulenten Zeit der Völkerwanderung, als die Herrschaft der Römer in Europa endete. Dabei spielten die Klöster, die durch die Christianisierung entstanden, eine besonders wichtige Rolle. Viele Texte, die wir aus dieser Zeit kennen, haben deshalb religiöse Inhalte. Das wohl berühmteste Dokument in althochdeutscher Sprache ist allerdings ein Heldenepos, nämlich das Hildebrandslied. Auch bei den Merseburger Zaubersprüche ging es mehr um Mythologie und Krieger als um den Glauben. Karl der Große hatte entscheidenden Einfluss auf die deutsche Sprachgeschichte, weil er der Volkssprache gegenüber dem Latein große Bedeutung gab.

Die Grenze zwischen Germanisch und Althochdeutsch bildete die sogenannte zweite Lautverschiebung. Dabei änderten einige Konsonanten ihren Charakter. Aus den Plosiven (p, t, k) wurden Frikative (f, s, ch) und Affrikate (pf, ts). Deutlicher werden die Veränderungen, wenn man einige Wörter gegenüberstellt: slapenschlafen, appelapfel, etenessen, swartschwarz, makenmachen. Außerdem bildeten sich einige heute selbstverständliche Bestandteile der deutschen Sprache wie die Artikel und der Umlaut. Zu den Tempora Präsens und Präteritum (Imperfekt) kamen weitere Zeiten hinzu.

Mittelhochdeutsch

Hartmann von Aue im Codex Manesse

Die mittelhochdeutsche Epoche begann in der Mitte des elften Jahrhunderts. Damals zerfiel das deutsche Sprachgebiet politisch in zahlreiche kleine Herrschaftsgebiete, die eigene Dialekte entwickelten, was sich natürlich auch auf die Literatur auswirkte. Im Hochmittelalter entstanden epische Geschichten über Erec, Iwein, Parzival oder Tristan. Die höfischen Dichter Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg oder Heinrich von Veldeke schufen solche Werke. Der prominenteste Text dieser Zeit war das Nibelungenlied. Die Bedeutung des Hofes kann man auch daran erkennen, dass viele französische Wörter die deutsche Sprache bereicherten.

Sprachlich war neben der Ausbreitung des Umlauts und der Entstehung des sch-Lautes vor allem die Abschwächung unbetonter Silben bedeutend. Die Änderung in der Betonung wirkte sich auf die Deklination und Konjugation aus; beim Kasus fielen manche Formen zusammen und schwache Verben erhielten eine einheitliche Endung.

Frühneuhochdeutsch

Lutherbibel von 1534

Diese Periode umfasst die 300 Jahre zwischen 1350 und 1650. Mit der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation setzte sich die politische Aufteilung des Sprachgebiets fort. Gleichzeitig verstärkte sich allerdings das Bedürfnis, die deutsche Sprache zu vereinheitlichen. Politisch sind dafür vor allem zwei Dinge interessant: die kaiserliche Kanzlei und die Hanse. Die Behörden brauchten für ihre Kommunikation und Dokumente eine allgemein verständliche Sprache, weshalb die sogenannten Kanzleisprachen entstanden. Um erfolgreichen Handel zu treiben, musste die Hanse ebenfalls mit vielen Menschen kommunizieren.

Johannes Gutenberg sorgte durch die Erfindung des Buchdrucks dafür, dass immer mehr Menschen mit Literatur in Berührung kamen. Sie lasen unter anderem die Bibel, die Martin Luther übersetzt hatte. Der religiöse Revolutionär bereicherte die deutsche Sprache um viele Redewendungen und neue Wortbedeutungen. Da immer mehr Menschen in Städten lebten, entstanden in der frühneuhochdeutschen Zeit auch die Familiennamen.
Phonologisch war der Wandel von Diphthongen (Doppellauten) zu Monophthongen und umgekehrt bedeutend. Statt min bruoder sagte man nun mein Bruder. Präfixe und Suffixe (Vorsilben, Endsilben) wurden ebenso zahlreiche wie die Möglichkeiten zur Bildung des Plurals. Die Großschreibung von Substantiven und die Einführung von Satzzeichens änderten das Aussehen von Texten.

In der Zeit des Frühneuhochdeutschen begann auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Sprache. Das geschah nicht nur an den Universitäten, die ab dem 14. Jahrhundert gegründet wurden, sondern auch in Sprachgesellschaften.

Neuhochdeutsch

Wilhelm und Jacob Grimm

Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann um 1650 die Epoche des Neuhochdeutschen, also unserer heutigen deutschen Sprache. In der Phonologie und Morphologie gab es in dieser Zeit kaum noch Änderungen; hauptsächlich wurden grammatische Entwicklungen fortgesetzt und verfestigt. Die größten Veränderungen erlebte der Wortschatz. Wissenschaftliche Entdeckungen und moderne Erfindungen erforderten immer mehr Wörter und präzisere Begriffe. Der französische Einfluss brachte uns beispielsweise die Verwandtschaftsbezeichnungen Onkel, Tante und Cousin(e). Im 20. Jahrhundert gab es Veränderungen durch den Nationalsozialismus und den Kommunismus sowie in jüngster Zeit durch englische Begriffe.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Sprache verstärkte sich in diesen Jahrhunderten. Die Brüder Grimm, die vielen Menschen durch ihre Märchensammlung bekannt sind, lieferten in ihrem Deutschen Wörterbuch einen umfangreichen Überblick des aktuellen Bestands. Andere Sprachwissenschaftler beschäftigen sich mit der Grammatik und der Geschichte des Deutschen. Für die Rechtschreibung setzte Konrad Duden mit dem nach ihm benannten Werk neue Maßstäbe.

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