Wie die Zeit vergeht

Hast du etwas Zeit für mich? Dann erzähle ich dir jetzt etwas über genau dieses Thema. Wie beschreiben wir die Zeit sprachlich? Wie reden über die Zeitwahrnehmung? Was bedeutet Zeit in der Grammatik? Um diese und ähnliche Fragen geht es in diesem Beitrag. Es wäre schön, wenn du ein paar Minuten für das Lesen investieren könntest. Los geht’s!

Die Sanduhr ist ein schönes Beispiel, um zu zeigen, wie die Zeit vergeht.

Es ist gefühlt schon ewig her, dass ich in diesem Blog meinen bisher letzten Beitrag geschrieben habe. Doch erst, als ich auf das Datum geblickt habe, ist mir bewusst geworden, wie lang es hier wirklich nichts zu lesen gab. Mehr als ein halbes Jahr lang! In dem Moment war mir das Thema des ersten Beitrags seit langer Zeit klar.

Zeit zwischen Physik und Gefühl

Zunächst mal ist Zeit eine physikalische Größe. Wir können sie messen. Die Grundeinheit dafür ist die Sekunde und die anderen Einheiten bauen darauf auf. 60 Sekunden sind eine Minute, nochmal mit 60 multipliziert erhalten wir die Stunde. Aus 24 Stunden wird ein Tag, aus sieben Tagen die Woche und 365 Tagen das (normale) Jahr. Alle größeren Maßeinheiten sind ein Vielfaches davon: Jahrzehnt, Jahrhundert, Jahrtausend.

Doch neben diesen naturwissenschaftlichen Fakten haben wir auch Zeiteinheiten, die wir nicht messen und nicht genau bestimmen können. Moment mal, wie lang dauert eigentlich ein Augenblick? Ist die Ewigkeit wirklich unendlich und was meinen wir, wenn wir sagen, dass etwas eine halbe Ewigkeit dauert? Es ist ebenso schwierig zu definieren, wann wir zwei Ereignisse als gleichzeitig wahrnehmen.

All das kann auch schnell zu persönlich und kulturell beeinflussten Meinungsunterschieden führen. Stell dir vor, du möchtest, dass etwas ohne lange Wartezeit erledigt wird. Was ist dann die beste Antwort deines Gegenübers? Ich mache das direkt / sofort / gleich – wie definiert man diese Begriffe? Fünf Minuten, eine Stunde, morgen irgendwann? Das Wort „gleich“ bedeutet wohl etwas mehr Verzögerung als „direkt“ und „sofort“.

Zeitwahrnehmung ist bekanntlich auch von der Situation und der aktuellen Gefühlslage abhängig. Eine halbe Stunde gelangweilt auf den Zug zu warten, nervt mehr als eine halbe Stunde Beschäftigung mit guten Freunden oder einem interessanten Hobby, obwohl in beiden Fällen 30 Minuten vergehen. Wer gerade im Stress ist, wünscht sich einen Tag mit mehr als 24 Stunden. Aber wenn man sich auf ein spannendes Wochenende freut, kann das Wochenende nicht früh genug kommen.

Über die Zeit reden

Wie wir über das Phänomen reden, hat sich im Laufe der Zeit auch immer wieder durch technische und kulturelle Neuerungen verändert. Früher haben die Menschen zur Zeitmessung beispielsweise eine Sanduhr benutzt, wie sie auf dem Titelbild dieses Beitrags zu sehen ist. Wenn der Sand von oben nach unten läuft, kann man im wahrsten Sinne des Wortes beobachten, wie die Zeit verrinnt. Auch die Bewegung des Schattens auf einer Sonnenuhr war eine relativ grobe Einteilung der Zeit. Mönche richteten ihren Tagesablauf nach den Horen, taten also zum Beispiel etwas zur neunten Stunde. Das war dann nicht um 9 Uhr, sondern irgendwann nachmittags.

Apropos Tageszeiten. Das ist auch so etwas, was sprachlich nicht genau definiert ist. Kann man um 11 Uhr noch guten Morgen sagen? Gehört 14 Uhr schon zum frühen Nachmittag oder noch zur Mittagszeit? Und wo verläuft die Grenze zwischen (spätem) Nachmittag und (frühem) Abend? In der englischen Version geht es gar nicht über die Zwölf hinaus, weil einfach a.m. für die ersten zwölf Stunden und p.m. für die zweite Hälfte des Tages angehängt wird.

Als unsere Zeitmessung immer genauer und technisch besser wurde, änderten sich zugleich der Umgang damit und die Sprache. Wir haben jetzt Zeitdruck und Terminkalender. Denn wir versuchen unsere Aufgaben mit einem guten Zeitmanagement zu organisieren. Auf das richtige Timing kommt es an. Denn ständig läuft irgendwo ein Countdown runter. Um die mentale Gesundheit nicht zu gefährden, beschäftigen wir uns nicht nur im Sport mit Auszeiten. Einmal tief durchatmen, so viel Zeit muss sein.

Der Unterschied zwischen Zeitpunkt und Zeitraum

In vielen Aspekten wird der Umgang mit der Sprache immer ungenauer und es schleichen sich unnötige Fehler ein. Was mir zuletzt immer häufiger auffällt, ist beispielsweise das fehlende Wissen oder Bewusstsein über den Unterschied zwischen Zeitpunkt und Zeitraum. Da lese ich zum Beispiel, dass eine Veranstaltung ab dem Datum oder der Uhrzeit xy beginnt. Falsch! Wo ist hier das Problem? Das Verb „beginnen“ bezieht sich immer auf einen Zeitpunkt. Die Kombination aus dem kleinen Wort „ab“ in Verbindung mit einer Zeitangabe beschreibt hingegen einen Zeitraum. Auf einem Zeitstrahl ist Beginnen ein Punkt und „ab …“ eine Linie. Also sagt bitte in solchen Fällen, dass etwas am Tag X oder um soundsoviel Uhr beginnt. (Und vermeidet bitte nebenbei bemerkt in solchen Zusammenhängen das Wort „starten“.) Ach ja, bei Zeiträumen sieht es besser aus, wenn man „von 17 bis 19 Uhr“ statt „von 17-19 Uhr“ schreibt, bitte keine Mischung aus Wort und einem Bindestrich.

Tempus – die grammatische Zeit

Ich habe in einem Beitrag mal beschrieben, dass man sich mit ein paar Lateinkenntnissen einiges leichter erklären kann, vor allem in der Grammatik. Wenn wir also das Wort „Zeit“ in Latein übersetzen, landen wir beim Tempus. Damit sind wir beim Thema, das Schüler und Schülerinnen beim Sprachenlernen oft als besonders kompliziert wahrnehmen, egal ob in Deutsch, Englisch oder Latein. Wie war das nochmal mit Präsens, Perfekt, Imperfekt, Plusquamperfekt und den verschiedenen Futur-Formen? Erklärungen dazu gibt es auf dieser Website im Menü Sprachen lernen.

Letzlich sind all diese verschiedenen Formen ein Versuch, die Zeit auch sprachlich zu ordnen. Vereint ausgedrückt: Die Gegenwart beschreiben wir im Präsens, die Zukunft im Futur. Was zur Vergangenheit gehört, drücken wir – je nachdem, wie lange es her ist, und in welchem Verhältnis es zu anderen Handlungen steht – als Perfekt, Imperfekt oder Plusquamperfekt aus.

Viele weitere Themen

Ich könnte jetzt noch über viele andere Aspekte des Themas schreiben. Darüber wie wir mit Zeitlupe und Zeitraffer die Zeit langsamer oder schneller darstellen können. Oder über die Bedeutung des Zeitgeistes, über zeitlose Phänomen und was zeitgemäß oder zeitgenössig ist. Auch über Lebensalter und Zeitalter könnte ich noch etwas sagen. Allein die Liste der Wörter, in denen die Zeit vorkommt, wirkt fast unendlich. Aber ich möchte nicht zu viel von deiner Zeit beanspruchen. Danke fürs Lesen!