Mal nicht übertreiben mit den Superlativen

Wenn du meinst, dass du der „einzigste“ Mensch bist, der mit „maximalstem“ Einsatz das „optimalste“ Ergebnis erzielt, weil sonst alles in einem „Super-GAU“ endet, solltest du diesen Beitrag lesen, damit du in „keinster“ Weise  mehr so einen Unsinn redest. Denn es geht diesmal um die Steigerung von Adjektiven, insbesondere im Superlativ, und ähnliche sprachliche Übertreibungen.

Frau alleine auf Gipfel
Soweit man es auf dem Bild sehen kann, ist die Frau auf dem Gipfel der einzige Mensch weit und breit.

Zu Beginn unternehmen wir einen kurzen Ausflug in die Grammatik. Die meisten Adjektive kann man in zwei Stufen steigern. Die Grundform ist der Positiv. Die erste Steigerung ist der Komparativ, also die Vergleichsform. Die höchste Stufe ist der Superlativ. So ergeben sich Reihen wie groß (Positiv) – größer (Komparativ) – die größte (Superlativ), dumm – dümmer – der dümmste und gut – besser – das beste. Über den Superlativ geht nichts hinaus. Das steckt schon in seinem Namen, der aus den lateinischen Formen super (über) und latus (getragen) besteht. Was im Superlativ steht, wurde also über alles andere hinaus getragen. Der Mount Everest ist der höchste Berg der Welt, weil kein anderer Berg weiter in den Himmel ragt. Wenn ich eine Person als den dümmsten Menschen bezeichne, gehe ich davon aus, dass es niemanden mit einem größeren Mangel an Intelligenz gibt.

So weit, so gut. Doch in einigen Fällen versuchen unaufmerksame Benutzer der deutschen Sprache, Begriffe zu steigern, die sich einer Steigerung widersetzen. Egal wie einsam und alleine jemand gerade ist, er ist niemals der „einzigste“ Mensch. Denn wenn sonst niemand anwesend ist, lässt sich dieser Zustand nicht weiter steigern. Korrekt ist also nur die Aussage, dass es der einzige Mensch an diesem Ort ist. Sprachwissenschaftler sprechen hier von absoluten Adjektiven. In diese Kategorie fallen auch einige andere Klassiker, zum Beispiel schwanger. Entweder trägt eine Frau ein heranwachsendes Kind in sich oder nicht, ein bisschen schwanger geht nicht. Ähnliches gilt für tot und lebendig; entweder lebt man noch oder man befindet sich nicht mehr in diesem Zustand. Farben lassen sich ebenso wenig steigern. Eine Jeans kann nicht „blauer“ sein als die andere und es gibt erst recht keine „blauste“ Jeans. Auch die häufig in Bewertungen von Arbeitsleistungen zu hörende Formulierung, jemand habe eine Tätigkeit zur „vollsten Zufriedenheit“ ausgeführt, ist Unsinn. Denn mehr als 100% sind sprachlich nicht möglich und volle Zufriedenheit reicht völlig. Im Komparativ sind Ausnahmen möglich. Ein zu 70% gefülltes Glas ist voller als ein Glas mit 40% Inhalt. Außerdem sind bei rein rhetorischen Formulierungen keine Grenzen gesetzt. Das gilt zum Beispiel, wenn es bei juristischen Bewertungen ironisch bis zynisch heißt, dass manche Menschen gleicher seien als andere.

Eine weitere Kategorie von Adjektiven, die sich nicht weiter ausreizen lassen, sind solche, in denen bereits ein Superlativ steckt. Das ist manchmal vielleicht nicht so offensichtlich, sollte aber trotzdem berücksichtigt werden. Eine optimale Lösung ist schon die beste Lösung. Denn das Adjektiv ist vom lateinischen optimus abgeleitet und das ist der Superlativ von bonus (gut). Der Optimalfall ist also schon eingetreten. Ähnliches gilt für den maximalen Einsatz. Das lateinische maximus ist der Superlativ von magnus (groß). Das Maximum ist bereits erreicht.

Sprachlich betrachtet ist auch der berühmte Super-GAU übertrieben. Denn die Abkürzung mit den drei Buchstaben steht für den größten anzunehmenden Unfall. Wir haben gelernt, dass größter ein Superlativ ist. Wie soll man die Katastrophe durch die Zugabe von Super weiter vergrößern, wenn es nicht größer geht? (Experten für solche Auslegungstörfälle versuchen, den Begriff zu rechtfertigen, aber sprachlich gesehen bleibt Unsinn einfach Unsinn.)

Letztlich gilt wieder das ewige Motto: Erst denken, dann reden. Trotzdem darf man natürlich die Frau, die optisch alle Maßstäbe sprengt, als allerwunderschönste Frau überhaupt bezeichnen (oder frau einen entsprechenden Mann). Das ist Poesie und Wunder entziehen sich der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit.