Die Grenzen des Könnens

Heute schauen wir mal auf ein Wort, das immer häufiger falsch verwendet wird. Es geht um das Verb können. Das Wort hat mehrere Bedeutungen, ist aber nicht unendlich einsetzbar.

Wir können den Berg gemeinsam hochklettern.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an. Die Aussage „Ich kann Volleyball spielen.“ lässt sich auf mehrere Arten interpretieren. Entweder kann ich Volleyball spielen, weil ich die entsprechenden technischen Fähigkeiten mit Pritschen, Baggern und Blocken beherrsche, oder ich kann es spielen, weil ich ein Netz, einen Ball und ein paar Mitspieler habe. Im ersten Fall geht es um die Fähigkeit, im zweiten Fall um die Möglichkeit. Anderes Beispiel: Wenn ich zu einem Schüler sage, dass ich ihm bei einer Aufgabe helfen kann, habe ich entweder das nötige Wissen dazu oder Zeit und Lust zum Helfen. Im besten Fall kommt natürlich beides zusammen.

Wenn das Können in einer Frage vorkommt, geht es oft um eine Bitte: Kannst du mir bitte kurz beim Tragen helfen? Könntest du mir das bitte nochmal genauer erklären? Der Konjunktiv (könntest) ist dabei die noch höflichere, vorsichtigere Variante. Die angesprochene Person kann den Wunsch wiederum erfüllen, wenn sie fähig und hilfsbereit ist.

Können in der Vergangenheit

Schwierig wird es hingegen, wenn eine erfolgreiche Tat in der Vergangenheit beschrieben wird. Mittlerweile lese ich ziemlich oft Sätze wie: „Die Mannschaft konnte das Spiel gestern mit 3:1 gewinnen.“ In solch einem Fall geht es aber nicht darum, ob die Mannschaft die Fähigkeit oder die Möglichkeit zum Erfolg hat. Sie hat den Erfolg bereits erreicht. Sinnvoll wäre deshalb nur die Aussage: „Die Mannschaft hat das Spiel gestern mit 3:1 gewonnen.“ In einem Nebensatz oder im weiteren Text kann man dann erklären, welche Fähigkeiten oder günstigen Umständen zum Sieg geführt haben: „… gewonnen, weil sie dem Gegner in der Offensive überlegen war und ihre Chancen konsequent genutzt hat.“

Das Problem gibt es nicht nur bei Sportberichten. Gehen wir mal in die Politik: „Die Partei ABC konnte ihre Ziele in den Koalitionsverhandlungen durchsetzen.“ Auch dieser Beispielsatz ist Unsinn. Wenn man auf die Verhandlungen zurückblickt, weiß man, ob sich die Partei durchgesetzt hat oder nicht. Auch in diesem Fall geht es nicht um etwas Mögliches, sondern um Tatsachen. Möglichkeiten beziehen sich auf die Gegenwart oder Zukunft, nicht auf die Vergangenheit.

Das Können lässt sich sprachlich in der Vergangenheit nur sinnvoll nutzen, wenn es um verpasste Möglichkeiten geht. Dann sind wir allerdings wieder im Konjunktiv: „Die Mannschaft hätte das Spiel gewinnen können, wenn sie in der Abwehr nicht so viele Fehler gemacht hätte.“

Modalverben für Möglichkeiten und Pflichten

Das Wort können gehört grammatisch zu den sogenannten Modalverben. Sie beschreiben die Art einer Handlung. Die weiteren Modalverben der deutschen Sprache lassen sich so zusammenfassen.

  • dürfen – Man hat die Erlaubnis, etwas zu tun
  • mögen / wollen – Man hat den Wunsch, etwas zu tun.
  • müssen – Man hat die Pflicht, etwas zu tun
  • sollen – Man wird gebeten, aber nicht gezwungen, etwas zu tun.

Auch bei diesen Modalverben kann man den Konjunktiv wie bei den höflichen Fragen als etwas abgeschwächte Form benutzen. So erklärt man Kindern gerne, dass sie einen Wunsch mit „Ich möchte …“ statt „Ich will …“ äußern sollen.